Einblicke in organisatorische Hintergründe der Schüler:innenvertretung

„Niemand wird mit dem Hass auf andere Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ethnischen Herkunft oder Religion geboren. Hass wird gelernt. Und wenn man Hass lernen kann, kann man auch lernen zu lieben. Denn die Liebe ist ein viel natürlicheres Empfinden im Herzen eines Menschen als ihr Gegenteil.“

Ein Zitat, das Bünyamin Gök, Schulsprecher der Beruflichen Schule Hamburg-Harburg, von Nelson Mandela übernommen hat, um so die Schweigeminute für die Opfer von rassistisch motivierten Anschlägen einzuleiten. Der 21.03.2022 ist der internationale Tag gegen Rassismus und gleichzeitig jährt sich der Anschlag in Hanau am 19.03.2022 zum zweiten Mal.

V. l. n. r.: Schulsprecher:innen Aleyna Mustafov, Bünyamin Gök und verdeckt Violetta Hendriok im Forum der BS 18 vor der versammelten Schulgemeinschaft.

„Say their names“ lautet das Motto einer der Plakate, welche auf der Schulbühne in der Cafeteria zu sehen sind.

Ferhat Unvar,

Mercedes Kierpacz,

Sedat Gürbüz,

Gökhan Gültekin,

Hamza Kurtović,

Kaloyan Velkov,

Vili-Viorel Păun,

Said Nesar Hashemi und

Fatih Saraçoğlu.

Dies sind die Namen der Opfer des rassistischen Terroranschlags in Hanau.

Während der kurzen Einführung von Bünyamin Gök hängen alle gebannt an seinen Lippen, als dann die Schweigeminute zu Ehren der Opfer beginnt, scheint die Welt für einen kurzen Moment stillzustehen.

…57…58…59…60.

Plötzlich kommt wieder Leben in die Cafeteria, Gespräche starten und jeder geht seines Weges.

Ich hatte die Möglichkeit, im Nachgang mit Bünyamin Gök zu sprechen und ihm zur Organisation ein paar Fragen zu stellen.

Er sagt, für diese Schweigeminute ist die Organisation sehr spontan gewesen. Während eines Schulsprechermeetings ist ihm aufgefallen, dass der Tag gegen Rassismus und der zweite Jahrestag des rassistisch motivierten Terroranschlags in Hanau beinahe auf denselben Tag fallen. Die einzige Schwierigkeit, die sich ergab, war das Datum, welches auf den ersten Schultag nach den Ferien fiel. Trotzdem wollen wir, dass wir uns als Schule solidarisieren, so Gök. Bereits in den Ferien begann die Planung für den 21.03.2022. Zur Planung gehört die Festlegung, wer die Durchsage im Schulbüro macht. Eventuell schreibt man dafür eine kleine Rede, welche Bünyamin Gök auf seinem iPad notiert. Er hält fest, was er sagen möchte, sortiert sich einen Moment und spricht die kleine Rede im Schulbüro in die Lautsprecheranlage.

Außerdem ist für die Stellwände die Frage zu klären, was aufgehängt werden soll. Auch mussten sich Leute finden, die die Plakate aufbauen und mithelfen. Aus dem Schulsprecher:innenteam bestehend aus 7 Personen, fanden sich dafür drei bis vier Schulsprecher:innen.

Schulsprecher:innen Aleyna Mustfov und Bünyamin Gök.

In eigener Sache möchte Schulsprecher Bünyamin Gök dazu aufrufen, die gewählten Vertreter:innen der Schüler:innen häufiger zu kontaktieren.

„Wir sind Schulsprecher an dieser Schule. Die primäre Aufgabe, die wir hier haben, ist die Anliegen, die die Schülerschaft hat, an die nächst höhere Instanz weiterzuleiten. Es gibt wirklich nichts, und da kann ich für jeden Schulsprecher sprechen, es gibt wirklich nichts, was ein ‚dummes‘ Anliegen ist. Jedes Anliegen nehmen wir ernst, jedes Anliegen bearbeiten wir und wir würden uns wirklich darüber freuen, wenn die Schülerschaft noch aktiver auf uns zukommt und noch mehr im Hinterkopf hat, dass wir für sie arbeiten.“ Bünyamin Gök fordert dazu auf, die Schulsprecher:innen als Hilfe zu benutzen. Er glaube, das würde viel helfen, weil es bestimmt Sachen gäbe, die die Schülerschaft an dieser Schule stört. „Und wenn es mal ein Preis von einem Brötchen in der Kantine ist, wenn’s vielleicht mal unhygienische Toiletten sind, die wir hier auch an der Schule haben. Mit solchen Sachen einfach gerne auf uns zukommen. Ich glaube, wir können gemeinsam unglaublich viel erreichen.“